Aus Opfer werden Schuldige: Deflations-Risiken wegen Sparer


Die Deflations-Risiken in Deutschland brauchen offenbar einen klar definierten Verantwortlichen. Verlierer der Finanzkrise und der EZB-Geldpolitik sind u.a. die deutschen Sparer. Nun werden deren Spar-Gewohnheiten als die Quelle steigender Deflations-Risiken identifiziert. Das Opfer-Lamm wird zum Wolf gemacht.

Deutsche Sparer steigern die Deflations-Risiken in der Euro-Zone

Sparer

Deutsche Sparer keine Opfer sondern Schuldige

Guthabenszinsen könnten bald der Vergangenheit angehören und Gebühren für die Geldeinlagen auf Tagesgeld- und Girokonten zum Normalfall werden. Die Gebühren sind dann nichts anderes als Zinsen, die das Kreditinstitut vom Kunden verlangt.

Die Vorreiterrolle in Sachen “Parkgebühren” für Geldeinlagen von Privatpersonen spielt die Deutsche Skatbank. Als erstes Kreditinstitut führte das Geldhaus Negativzinsen für Privatpersonen ein. Zwar betrifft diese negativen Einlage-Zinsen mit Einlagebeträge ab 500.000,- beim Tagesgeldkonto und ab 2 Mio. Euro beim Girokonto nur einen kleinen Kreis von Personen, aber mit diesem Schritt wurde ein neues Terrain eröffnet.

Weitere Banken werden folgen, so die Einschätzung des Chef-Anlagestrategen der Deutschen Asset & Wealth Management, Asoka Wöhrmann. Eine Prognose und zugleich auch eine Aufforderung, denn die Deutschen benötigten einen “positiven Aha-Effekt”, so Wöhrmann gegenüber Welt am Sonntag.

Die Negativzinsen werden im Privatsektor des Finanzmarktes öfters in Erscheinung treten. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) führe automatisch zu dieser neuen Ausgestaltung der Anlageprodukte. Aus diesem Grund müssen die Menschen “mehr konsumieren und vernünftig investieren”, so der Anlage-Stratege. Das Geld könne nicht mehr einfach so herum liegen gelassen werden.

Deutsche und ihre Spar-Gewohnheiten trugen maßgeblich zum erhöhten Deflations-Risiko in Deutschland bei. Sollten die Sparer ihr Verhalten nicht ändern, so drohe eine Deflation mit dauerhaften Negativ-Zinsen und auch fallenden Löhnen, so die Sicht des Strategen.

“Jetzt ist der Sparer an der Finanzmarkt-Lage schuld”

Auf gut deutsch: “Geld runter vom Konto und mit vollen Händen ausgeben, jedoch vernünftig”. Leichter gesagt als getan. Diese Aufforderung an die deutschen Sparer ist mit dem leicht bitteren Geschmack der Schuldzuweisung verbunden.

Der große Finanzmarkt-Crash im Jahr 2008 und die bis heute spürbaren Folgen, verstärkt durch das Dilemma des Euro-Systems, wurde durch Anlagen verursacht, die mit dem privaten Otto-Normal-Sparer eigentlich überhaupt nichts zu tun haben. Die klemmenden gegenseitigen Kreditvergaben der Banken, das Aufkaufen von subventionierten Griechenland-Bonds durch Hedge-Fonds mit Traumrenditen, finanziert durch Steuerzahler sowie durch EZB-Geldschwemmen aufgeblähte Finanzmärkte sind alles Resultate des sparenden Deutschen?

Die Masche ist neu. Noch vor dem Finanz-Crash warnten die Ökonomen und vereinzelte Zentralbanker vor dem großen möglichen Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes. Einige Banken gingen über den Jordan, andere Kredithäuser rieben sich die Hände aufgrund der ausgelöschten Konkurrenz.

In Europa gingen zahlreiche Geldhäuser den Bach runter und mussten von deren Regierungen gestützt werden. Griechenland, Portugal, Irland, Spanien, Zypern, etc., überschuldeten sich für die Rettung der “systemrelevanten Banken” maßlos. Die noch heute offenen Schulden werden vom Steuerzahler getragen.

Kredite von EU, Zentralbank und Internationalen Währungsfonds (IWF) gab es nur gegen die Auflage von Sparmaßnahmen. Natürlich an allen Ecken und Enden, die den Bürgern Kürzungen bei den Sozialleistungen einbrachten. Darüber hinaus erfolgte der nach IWF-Beteiligung typische Ausverkauf des staatlichen Tafelsilbers.

Die Wirtschaften der betroffenen Länder knickten ein, die Kreditnachfragen und Investitionsbereitschaft ebenfalls. Die Kapitalfluten der EZB landeten im Finanzmarkt, jedoch nicht in der Realwirtschaft. Das Absenken des Leitzinses auf 0,05% brachte ebenfalls keinen Erfolgt. Das Absinken der Inflation bis hin zu Deflations-Risiken ist bei einer solchen desaströsen Ausgangslage schnell erklärt.

Das alles, weil der deutsche Sparer sein Geld auf dem Konto behielt, so nun die neueste Variante.

Niedrige Zinsen und reale Geldwertverluste sind die Folge der bisher verzweifelt geführten und ergebnislosen “Rettungsversuche” der EZB. Der Sparer in Deutschland ist der klare Verlierer. Diesen nun indirekt als Schuldigen für die Deflations-Risiken hinzustellen, ist schlicht frech.

Wer sich nicht beirren lassen will und auf lukrative Renditen spekuliert, der könnte jedoch in der Tat mit einer Kapitalanlage besser beraten sein als mit der nicht mehr rentierenden Tagesgeldanlage & Co.

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