Dispo-Warnhinweis: Banken könnten Gesetzgeber als Vorwand nutzen


Mit einem erneuten Versuch, die zu hohen Dispozinsen für Verbraucher zu senken, spricht der Gesetzgeber von einem Dispo-Warninweis durch die Banken und das verbindliche Angebot einer günstigeren Alternative. Die Commerzbank nahm sich dieses Gedankenspiel offenbar zu Herzen und befürwortet die Pläne der Bundesregierung. Doch wohl nicht ganz ohne Hintergedanken.

Teurer Dispozins könnte gegen umfangreiches Finanzprodukt-Paket eingetauscht werden

Kalkulationen

Gesetz Dispo Warnhinweis diente als Rückendeckung

Die vielfachen Anläufe der letzten Bundesregierung, die zu hohen Dispozinsen im Sinne der Verbraucher zu begrenzen oder anderweitig zu regeln, verliefen stets ins Leere. Verbraucherschützer kritisierten die zu hohen Zinssätze für den Disporahmen, geschweige dem Überziehungskredit schon längst.

Die Schwarz-Rote Regierungskoalition nahm sich diesem Thema inzwischen an und forderte eine Dispozins-Regelung in sehr “entschärfter” Form. Die Banken sollen u.a. dazu verpflichtet werden, ihre Kunden im “Dauer-Minus” auf dem Girokonto zu warnen und günstigere Alternativen anzubieten. Dazu gehören z.B. einfache Ratenkredite mit deutlich niedrigerem Zinssatz.

Einige Banken reagierten bereits und senkten die Dispozinsen deutlich ab, nebenbei wurde der Überziehungszins gleich ganz abgeschafft. Einer der Vorreiter im deutschen Girokontomarkt war die ING-DiBa. Im Februar sank der Dispozins auf 7,95% (vorher 8,50%) und der Überziehungszins verschwand gleichzeitig aus den Produkteigenschaften.

Der Schritt einiger Kreditinstitute zeigt zumindest in die richtige Richtung, doch ein Argument gegen die derzeit äußerst niedrigen Zinsen bei herkömmlichen Konsumentenkrediten fehlt nach wie vor. Dispozinsen sind nach wie vor teuer und ein für die Banken ein äußerst lukratives Geschäft.

Die schwarz-rote Bundesregierung rief den Vorschlag eines “Warnhinweises” bei dauerhaft überzogenen Girokonto aus und die Commerzbank stieß im April ins gleiche Horn. Martin Blessing, Chef der Commerzbank, forderte gar eine Abschaffung des ständig genutzten Dispokredits und plädierte für eine “Dispo-Nutzungsgrenze”. Schließlich gebe es günstigere Kredite, so der Tenor des Commerzbank-Chefs.

Schlägt sich die Commerzbank auf die Seite der Kunden?

Ohne Zweifel bieten die rege genutzten Dispokredite eine riesige Einnahmequelle für die Banken. Um so mehr verwundert die Reaktion der Commerzbank, diese “völlig überzogenen” Konditionen zu deckeln und am Ende eines Zeitfensters den Dispokredit rigoros gegen einen günstigeren Ratenkredit zu tauschen.

Die vom Gesetzgeber gewünschte und ggfs. auch einst durchgesetzte “Dispo-Warnung” bricht auf der einen Seite ein Geschäftsfeld ab, eröffnet aber auf der anderen Seite eine ganze Palette von neuen Möglichkeiten, so die Mutmaßung des Kreditportals Creditolo. Sieht man auf den Kundenkreis der Dispo-Nutzer genauer hin, so wäre der “Verlust” der Banken relativ begrenzt, erhielten aber mit dem Gesetzgeber einen starken Verbündeten und neue Instrumente in die Hand.

Gesetzgebers Dispo-Warnhinweis als schlagendes Verkaufsargument

Die Vorgabe des Gesetzgebers, die Kunden vor der weiteren Nutzung des Dispos zu warnen, könnte den Kreditinstituten ein mächtiges Verkaufsargument in die Hände geben. Das Kreditportal vermutet eine ausschweifende Erweiterung der gesetzlichen Hinweispflicht, bei der auch ein günstigerer Kredit anzubieten ist.

Die Kontaktaufnahme mit dem Kunden könnte lt. Creditolo folgendes Muster zeigen: “Sie nutzen eine durch den Gesetzgeber als riskant eingestufte Darlehensvariante. Das Gesetz schreibt uns vor, im persönlichen Gespräch mit Ihnen Ihre Finanzlage zu analysieren und bessere Lösungen zu finden.” Am Ende findet sich der Verbraucher vor einer ganzen Palette von Finanzprodukten, die auch eine Altersvorsorge enthalten könnten.

Ein Kunde mit einem überzogenem Girokonto sitzt am kürzeren Hebel. Das Gefühl der Schwäche und Abhängigkeit ist keine Seltenheit. Für die Bank steigt die “Erfolgsquote” beim Abschluss diverser Finanzprodukte.

Die Marktsituation ist derzeit sehr günstig, so Creditolo. Wer auf die “Bevormundung mit Hintergedanken verzichten möchte” und gleichzeitig bei den hohen Sollzinsen einsparen will, sollte nicht den Lauf der Dinge abwarten. Die Darlehenszinsen sind bei zahlreichen Kreditinstituten selbst bei langen Laufzeiten und einer durchschnittlichen Bonität niedrig und werden auch deutlicher sinken, so das Kreditportal.



Tarifomat24.de

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