Riester-Rente im Kreuzfeuer – DGB und GDV üben sich in Für und Wider


Die Riester-Rente gerät wiederholt ins Kreuzfeuer der Kritiker. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine umfassende objektive Analyse der augenblicklichen und künftigen Renten-Situation. Es drohe eine riesige Welle der Altersarmut. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft ist offenbar hin- und hergerissen zwischen Fürsprache und Vorschlägen notwendiger Verbesserungen.

Die Rentensituation kann von Riesterrente nicht entschärft werden

Altersvorsorge

Für und Wider der Riesterrente

Mit einer Warnung fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) die dringende “ehrliche Analyse und politische Bewertung dessen, was mit der Riester-Reform in der Rentenpolitik angerichtet worden ist”. Das heutige Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung müsse für die Zukunft stabilisiert werden.

Mehr als 15 Millionen Menschen haben einen Riester-Vertrag, so DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach, aber dies entspreche lediglich ca. 35 Prozent der Beschäftigten. Von diesen Verträgen seien wiederum rund 20 Prozent ruhend gestellt. Selbst optimistische Schätzungen ergeben bezüglich Rendite, Sparquote und Kosten der Riester-Rente zusammen mit der gesetzlichen Rente ein geringeres Niveau als die gesetzliche Rentenversorgung noch vor einigen Jahren alleine erreichte.

Bis zum Jahr 2030 sinkt das Rentenniveau planmäßig auf nur noch 43 Prozent (Rentenhöhe entspricht 43 Prozent des letzten Netto-Einkommens vor Renteneintritt). Dieser “Sturzflug des Rentenniveaus” werde im Jahr 2030 “immer größere Löcher in die Altersabsicherung” reißen, so Buntenbach. Das sei eine systematische Abhängung der Rentnerinnen und Rentner vom Wohlstandszuwachs der Gesellschaft. Besonders betroffen seien die heutigen Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor, die sich eine private Altersvorsorge gar nicht leisten können.

Der Anteil der Geringverdiener, die weder eine Riester-Rente noch eine Betriebsrente haben, liegt bei über 40 Prozent und bei den Beschäftigten mit mittlerem Einkommen immer noch mehr als ein Viertel. In der Regel ist diese Gruppe im späteren Rentenalter alleine auf die gesetzliche Rente angewiesen.

“Um massenhafte Altersarmut zu verhindern, muss die gesetzliche Rente daher mindestens auf dem heutigen Niveau stabilisiert werden”, so die Forderung von Buntenbach. “Die Riesterprodukte brauchen einen echten Kostendeckel”.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) weist dagegen auf die aktuelle Studie des Instituts für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA) hin, die bestätigte, dass sich Riester lohne. Die Rendite aus einem Riester-Vertrag steige mit Hilfe der staatlichen Zulagen deutlich.

Der GDV bewegt sich zum Thema Riesterrente zwischen zwei Welten

Der GDV übt sich in einem Spagat. Angesichts der Anfang November veröffentlichten Fakten zur stark angestiegenen Anzahl der über 65-Jährigen mit Anspruch auf eine Grundversorgung (“Sozialhilfe für Rentner”) forderte GDV-Präsident Alexander Erdland das umgehende Handeln des Gesetzgebers. Die Riester-Rente müsse mehr Anreize erhalten, u.a. durch die Einführung eines Freibetrages für alle Einnahmen aus eigener Vorsorge.

Zahlreiche Riester-Kunden werden nach Übergang ins Rentenalter keinen Vorteil aus ihrer privaten Altersvorsorge ziehen können, da bei Anspruch auf die Grundversorgung die Riester-Einkünfte voll angerechnet werden (“Riester-Falle”). Der GDV fordert die Abschaffung dieser Anrechnung.

Das ITA resümiert in der jüngsten Studie “12 Jahre Riester-Rente”, dass sich viele Verträge dieser Altersvorsorge-Variante nur aufgrund der staatlichen Zuschüsse rentiert haben. Die Kosten seien sehr unterschiedlich und wirkten sich entsprechend auf die Renditen auf, wobei hohe Ablaufleistungen nicht automatisch hohe Renten bedeuteten.

Übrigens! Wer bereits einen Riester-Vertrag haben sollte, muss sich ggfs. um die Riesterzulagen 2012 kümmern, sofern beim Versicherer kein “Dauerauftrag” vorliegt. Die Frist läuft am 31.12.2014 ab. Riester-Kunden mit bestehendem Auftrag der automatischen Zulagen-Beantragung sollten prüfen, ob sich seit dem Beginn des Riester-Sparens die familiäre Situation änderte. Wer inzwischen einen Ehepartner und sogar Nachwuchs haben sollte, ist in der Regel auch zu höheren Fördergeldern berechtigt. In diesem Fall sollte der Versicherer über die neuen Verhältnisse umgehend aufgeklärt werden.

HanseMerkur Versicherungsgruppe

Tarifomat24.de

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.