Der deutschen Wirtschaft und ihren Steuerzahlern droht der Untergang unter einem gigantischen Schuldenberg innerhalb der Versenkung einer lahmenden Wirtschaft. Sog. Finanzexperten bedienten sich erneut Modellrechnungen, um ein Schreckensszenario zu generieren. Die theoretischen Größen sollen die Politik zu praktischen „Konsolidierungen“ bei den Renten bewegen.

Politiker nehmen hier gerne das „schlimmste Szenario“ an

Armut
Nach Corona-Krise müssen Rentenausgaben neu bewertet werden

Modellrechnungen gemäß dem Motto „was würde passieren, wenn die Dinge sich entwickelten, wie es sich Forscher gerade vorstellen?“ sind prinzipiell kein Novum, erhielten aber spätestens seit Einführung der Klimakrise Hochkonjunktur. Je extremer die möglichen Ergebnisse der willkürlich eingestellten Berechnungsparameter ausfallen, desto bereitwilliger werden diese von den Medien übernommen und an den Konsumenten gebracht.

Mit dem Ansteigen der Schwierigkeit treffender Voraussagen aufgrund zu komplexer Zusammenhänge steigt auch der Spielraum der Forscher für die Annahme möglicher Szenarien an. Die aktuell ausgerufene Corona-Epidemie, die Reaktionen der verantwortlichen Politiker und die Auswirkungen dieser Repressalien auf die Wirtschaft bietet den sog. Experten erneut ein großes Spielfeld von freizügig einstellbaren Modellrechnungen. In den Fokus rückte nun die mögliche Verschuldung bzw. Schuldenquote des Steuergeldtreuhänders bzw. die öffentliche Hand.

Die jüngst verabschiedeten Milliarden-Hilfspakete im dreistelligen Milliardenbereich werden die öffentlichen Kassen nicht für kurze Zeit, sondern langfristig über Generationen hinweg knebeln. Die derzeitige Krise werde alle finanziellen Reserven aufbrauchen, welche von „Gebietskörperschaften“ für die kommenden 10 Jahre zur Begegnung der „demografischen Probleme“ gehabt hätten, so Martin Werding, Finanz-Experte der Ruhr-Universität Bochum, zur Welt (Samstag). Noch im März veröffentlichte Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) den zum damaligen Zeitpunkt aktuellen Finanzbericht. Werding bezeichnet diesen als nun reine Makulatur. Die Schuldenstandquote werde im Jahr 2060 (also in 40 Jahren) voraussichtlich um bis zu 40 Prozentpunkte höher ausfallen als in den aktuellen Berechnungen.

Gemäß der Modellrechnung mit dem „günstigsten Szenario“ würde die Schuldenquote im Jahr 2060 mind. bei 105 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liegen. Nach Einstellung des „ungünstigsten Szenarios“ liege die Schuldenquote sogar bei 225 Prozent des BIP. Damit werde die Bundesrepublik im Jahr 2060 eine weitaus höhere Schuldenquote als aktuell Griechenland oder Italien aufweisen.

Trotz dieser je nach Parametereinstellung erzeugten Schreckensszenarien begrüßt der Finanz-Spezialist die nun steigende Neuverschuldung. Die Konjunktur müsse nun wiederbelebt werden. Nach der Krise – lt. Bundeskanzlerin Angela Merkel erst ab Verfügbarkeit eines Impfstoffes möglich – müsse umgehend die Konsolidierung begonnen werden. Dazu zählte auch die Korrektur der Schieflage bei der Rente und den Belastungen der Generationen. Der Rentenzuschuss des Bundes nehme immerhin fast ein Drittel der gesamten Rentenkosten ein.

Modellberechner und andere Schwarzmaler sollten nach Japan blicken

Die Botschaft dürfte damit klar sein. Konsolidierung bedeutet allgemein Streichungen und Kürzungen der Mittel bei denjenigen, die es eigentlich am meisten benötigten und auch verdient hätten. Das Schreckensszenario von 225 Prozent nach entsprechender Einstellung der Modellparameter ließe sich auf die Schnelle mit dem Blick gen Japan gleich entschärfen. Das Land der Aufgehenden Sonne erreichte im Jahr 2011 mit einer Schuldenquote von 222 Prozent des BIP die für die Bundesrepublik im Jahr 2060 voraus-modellierte Horrormarke. Ende 2019 lag die Schuldenquote Japans bei rund 238 Prozent des BIP. Japan erreichte seit dem Jahr 1982 zu keinem Zeitpunkt mehr die für die Eurozone geltende Obergrenze von 60 Prozent Schuldenquote. Japan ist bis heute nicht im Meer versunken und gilt nach wie vor als eines der reichsten Länder dieser Erde. Die Ansprüche der sog. Gläubiger und ihr virtuell ausgehändigtes Geld konzentrieren sich ohnehin auf die vereinbarten Zinszahlungen seitens des Kreditnehmers und seiner erklärten Schuldanerkennung.

Der Finanz-Spezialist Martin Werding müsste die Situation in Japan eigentlich gut kennen. Im Jahr 2007 hatte er eine Gastprofessur an der Hitotsubashi-Universität in Tokio. Wie derartige Modellrechnungen aussehen, ist anhand der von Werding im Nov. 2014 veröffentlichten Studie einzusehen. Alle möglichen Szenarien ließen demnach einen Blick der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung bis zum Jahr 2060 zu, in allen Möglichkeiten der Annahmen-Bandbreite. Dass aber binnen weniger eines Jahres die noch im Jahr 2014 für 2060 angenommenen Szenarien bezüglich der Migration förmlich gesprengt wurden, scheint nicht zum Einlenken in der Vorgehensweise Modellrechnung geführt zu haben. „Bei der Migration wird schließlich anstelle eines ab 2018 konstanten, jahresdurchschnittlichen Migrationssaldos in Höhe von 100.000 Personen unterstellt, dass der Saldo dauerhaft bei 200.000 Personen („Migration+“) oder aber bei Null liegt („Migration–“).

Was soll’s? Es kam halt anders als gedacht.

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