Angst- und Panikmache zur kommenden Griechenland-Wahl?


Angst- und Panikmache. Die Medien überschlagen sich mit Meldungen und Berichten zu den möglichen Folgen eines Wahlsieges der linken Syriza Partei in Griechenland. Nahezu alle ausgemalten Schreckens-Szenarien teilen die gemeinsame Eigenschaft, die Banken und das Finanzsystem vor dem Untergang zu sehen. Griechenlands Bürger und deren Situation scheinen überhaupt nicht zu interessieren.

Der Wahlsieg der Syriza sei eine “Katastrophe für Griechenland”

EU

Brüssel zeigt sich besorgt um Griechenland

Es liegt auf der Hand, dass weder die EU-Kommission, noch die Bundesregierung ihre Wünsche zum Ausgang der am 25. Januar 2015 stattfindenden Neuwahlen direkt und unverblümt der Bevölkerung Griechenlands nahe legen können. Brüssel und Berlin lehnen die lt. Umfragen vorne liegende Syriza-Partei ganz klar ab. Nur kann die griechische Bevölkerung nicht so einfach in die gewünschte Richtung befehligt werden, wie die letzten Athener Regierungen zu den aufgezwungen Konsolidierungs- und Sparmaßnahmen.

Wenn die direkte Anweisung nicht funktioniert, setzt man eben auf ein altbewährtes Mittel. Angst. Seit dem Zeitpunkt, als die Neuwahlen nach der gescheiterten Präsidentenwahl erforderlich wurden, berichten die Leitmedien über vermeintliche Euro-Austritts-Szenarien und die “schrecklichen Folgen” für Griechenland. Dem Spiegel soll vor wenigen Tagen zu Ohren gekommen sein, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone als durchaus verkraftbar halten. Am Mittwoch berichtete Bild unter Berufung auf “Regierungskreise”, dass die Bundesregierung derzeit Strategien für ein mögliches Verlassen Griechenlands entwickle.

Demnach bestehe die Gefahr eines ausgewachsenen Banken-Runs in Griechenland. Die Folge sei ein Kollaps des griechischen Bankensystems, dem lediglich mit Milliardenzahlungen der EU-Bankenunion zu begegnen sei. Darüber hinaus drohten Deutschland zweistellige Milliardenverluste.

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, warnte in einem Gastbeitrag für Bild vor dem Euroaustritt. Die Folgen seien für Griechenland verheerend. Kein “vernünftiger Investor” würde sein Geld noch in Griechenland anlegen. Das Land wäre auf lange Zeit vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Die Linkspartei Syriza jammere über die extrem niedrigen Zinsen der Schuldenlasten, während Deutschland einen höheren Zinssatz zu tragen habe. Letztendlich könne der Euro-Raum ganz gut ohne Griechenland zu recht kommen, aber Griechenland nicht ohne Europa, so der IW-Chef.

Die Schreckens-Szenarien der zahlreichen Medien ähneln sich sehr und haben dazu gemeinsam, sich ausschließlich auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu konzentrieren. Gewissenhaft werden Themen wie die bisherigen Entwicklungen sowie die katastrophale Lage der griechischen Bevölkerung völlig ignoriert.

Seit dem Ausbruch der Finanzkrise und trotz der “Rettungsmaßnahmen”, vermeintlichen Schuldenschnitte sowie den aufgezwungen Sparmaßnahmen und Privatisierungen, ist die Arbeitslosigkeit in Griechenland auf Rekordniveau gestiegen, die Wirtschaft um rund ein Viertel eingebrochen und die Schuldenquote erhöhte sich auf über 170% des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Das Sozialsystem für die Bürger wurde zusammen gestrichen, ertragreiches Staatseigentum privatisiert (“IWF-Symptom”). Die Gläubiger (Banken und Hedgefonds) aber wurden befriedigt, mit dem Rückhalt der Steuerzahler aus den anderen Euro-Ländern.

Genau dieser Kurs soll nach dem Willen Brüssels und Berlins in Griechenland weiter gefahren werden. Es gebe keine “Alternativen” für den gegenwärtigen Sparkurs. Die Griechen selbst sind es, die mit einem Wahlsieg der Syriza das Gegenteil beweisen könnten.


Tarifomat24.de

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