Anzahl der Arbeitslosen sank auf Rekord-Tief – Übliche Augenwischerei


Die Anzahl der Arbeitslosen sank im September 2016 auf ein neues Tief. Die Arbeitslosenquote ebenfalls. Zumindest gilt dies für die “bereinigte” Arbeitlosenstatistik.

Arbeitslose gelten nicht automatisch als arbeitslos

Arge

Übliche Augenwischerei bei der Arbeitslosenstatistik

Das Bundesarbeitsministerium klopft sich selbst auf die Schultern und die hiesigen Medien posaunen die frohe Botschaft in allen Himmelsrichtungen hinaus. Die Arbeitslosenzahl in der Bundesrepublik fiel im September auf rund 2,5 Millionen Menschen ab. Gegenüber dem Vormonat September rund 68.000 weniger Erwerbslose, so die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Damit erreichte die Zahl der Arbeitslosen einen neuen Tiefstand seit Mitte 1991.

Auf Jahressicht waren im September 2016 109.000 weniger Menschen als erwerbslos gemeldet. Damit sank die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent bzw. um -0,1 Punkte gegenüber dem Vormonat.

Diese Statistiken geben allen Grund zum Jubel, allerdings nur solange wie der Hintergrund zu den erfassten und nicht erfassten Erwerbslosen unbeleuchtet bleibt.

Zu den gut 2,5 Millionen Erwerbslosen sind arbeitslose Menschen in einer “Weiterbildungsmaßnahme”, im Alter über 58 Jahre (mind. 1 Jahr Bezug von Arge II) und die privat vermittelt wurden nicht mit eingerechnet. Wer sich mit einem 1-Euro-Job verdingt, gehört ebenfalls nicht mehr zu den “gemeldeten Erwerbslosen”.

Im Jahr 2015 machten die Langzeitarbeitslosen im Alter von über 58 Jahren immerhin rund 330.000 Menschen aus, die in der Arbeitslosenstatistik gar nicht erst erfasst wurden. Dazu kommen die sog. “Unterbeschäftigten”, die zwar gerne mehr bzw. länger arbeiten wollten und könnten, aber nicht gelassen werden. Deren Anzahl bewegte sich im Jahr 2014 bei rund 2,9 Millionen Menschen.

Nicht zu vergessen die sog. “stille Reserve”. Zu dieser Gruppe gehören alle Arbeitslosen, die an einer Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahme teilnehmen sowie die mangels Aussichten gar nicht mehr als “arbeitssuchend” registriert sind. Im Jahr 2014 lag die stille Reserve bei rund 940.000 Menschen.

Aufstocker tauchen ebenfalls nicht in der Arbeitslosenstatistik auf. Sie arbeiten mind. 15 Stunden, sind aber dennoch von Bezügen aus Arbeitslosenhilfe oder Sozialhilfe abhängig. Im vergangenen Jahr lag die Anzahl der Aufstocker bei rund 100.000 Menschen.

Wenn Jobcenter Arbeitssuchende an andere private Vermittler weiterleitet, dann wird die “Arbeitslosen-Akte” gleich mitgeschickt und somit taucht dieser Arbeitssuchende in der Statistik ebenfalls nicht mehr auf. Deren Anzahl bewegt sich im Bereich von über 100.000 Menschen.

Eine vorzeitige Verrentung der älteren Arbeitslosen löst das Problem einer “verunzierten” Statistik ebenfalls. Ältere Langzeitarbeitslosen wurden in Rente geschickt, erhalten weiterhin Unterstützung, sind aber aus der Arbeitslosenstatistik verschwunden.

Wenn die Arbeitslosenzahl in der Gegend von 4 Millionen Menschen angegeben worden wäre, hätte dies der Realität wesentlich genauer entsprochen.


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