Das große Jobsterben durch Mindestlohn blieb bisher aus


Der Mindestlohn in Deutschland bleibt so wie er zum Jahresanfang 2015 eingeführt wurde. Der Deutsche Gewerkschaftsbund begrüßt die Entscheidung, die derzeitige Regelungen nicht “zu verschlechtern”, während der IW zu erklären versucht, warum das selbst angekündigte “große Job-Sterben” noch nicht einsetzte.

Jobsterben durch Mindestlohn lässt noch auf sich warten

Rente

Besserer Arbeitsmarkt trotz Mindestlohn

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüßt die Entscheidung des Koalitionsausschusses vom vergangenen Sonntag zum Mindestlohngesetz. Es “wurden erfreulicherweise keine Verschlechterungen am Mindestlohngesetz verabredet”, so der DGB.

Seit dem 01. Januar 2015 gilt in Deutschland der Mindestlohn, obgleich mit zahlreichen Ausnahmeregelungen. Die vor allem von den arbeitgebernahen Instituten vorhergesagte Arbeitsplatzvernichtung blieb bisher aus. Nach den ersten drei Monaten der eingeführten Mindestlohnregelungen entwickelt sich der Arbeitsmarkt nach wie vor positiv. “Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung hat zugenommen”, hob der Gewerkschaftsbund hervor.

Ein beabsichtigter Effekt des Mindestlohns sei die Umwandlung der Minijobs in reguläre Teilzeitstellen. Vor allem Frauen profitierten von dieser Entwicklung, da diese Minimal-Beschäftigungen in die Altersarmut führten und auch keine soziale Absicherung anbieten.

“Der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt hält an und straft all jene Lügen, die massive Arbeitsplatzverluste durch die Einführung des Mindestlohns prophezeit haben”, so der DGB.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) ist nach wie vor von der Schädlichkeit des Mindestlohnes überzeugt. Ein Mindestlohn führe zu einer geringeren Nachfrage, also weniger Arbeit, so IW-Direktor Michael Hüther in einer BILD Kolumne, einen Tag nachdem der Bundestag das Mindestlohngesetz verabschiedete. Demnach treffe der Mindestlohn Arbeitsplätze, “die bisher aus anderen Gründen geringer entlohnt werden”. Für den IW steht fest: Der Mindestlohn wird Jobs vernichten.

Die zahlreichen Ausnahmeregelungen durch den Gesetzgeber wurden vom IW begrüßt, sieht allerdings noch Nachbesserungsbedarf. So müsse die Ausnahmeregelung für Auszubildende und Jugendliche unter 18 Jahren auf ein Alter von 21 Jahren angehoben werden, um ihr Risiko, arbeitslos zu werden, erheblich zu reduzieren, so das Argument. Ein deutschlandweiter einheitlicher Mindestlohn von 8,50 Euro sei darüber hinaus nicht “sinnvoll zu begründen”. 8,50 Euro im Westen und 7,00 Euro im Osten seien angemessen. Ungelernte Berufseinsteiger und Langzeitarbeitslose sollten “generell für wenigstens zwölf Monate” vom Mindestlohn ausgenommen werden. Damit erhöhte man deren Chancen auf einen Arbeitsplatz.

Nach den ersten 100 Tagen des Mindestlohns erkannte auch IW, dass die “Jobvernichtung” noch nicht eingetroffen ist. Das Institut gab sich allerdings nicht überrascht darüber, denn die “ökonomischen Transformationsprozesse laufen langsam ab und sind vielfältig”. Es sei auch denkbar, dass die Unternehmen die höheren Lohnkosten über die Kürzung oder Streichung von Sonderzahlungen ausgleichen. Dem seien auch die vom Mindestlohn nicht betroffenen Beschäftigungsgruppen ausgesetzt.


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