Grund für Konsumverzicht: Kalte Progression oder Ukraine-Krise?


Mathematischer Fakt “kalte Progression” gegen die Ukraine-Krise. Der Bund der Steuerzahler prangert den seit Jahren anhaltenden Schwund zum Realeinkommen an und die GfK erklärt den Konsumverzicht der Verbraucher aufgrund der Verunsicherungen durch den Konflikt in der Ukraine.

Die Verbraucher haben immer weniger Geld – Sucht GfK einen “Ausweg”?

Konsumenten

Weniger Geld oder Verunsicherung?

Eine Gehaltserhöhung sieht auf dem Papier immer gut aus. Arbeitnehmer freuen sich stets über die mehr oder weniger gewachsene Zahl auf dem Lohnzettel. Das gilt jedoch nur für das Plus in der Brutto-Zeile. Eingetrübte Euphorie herrscht bereits vor, wenn der Blick gen “letzte Ziffer” wandert, nachdem die Steuern und Sozialversicherungen ihr Unwesen getrieben haben. Wer als Arbeitnehmer die gestiegenen Kosten der vergangenen Monate oder gar Jahre im Hinterkopf behalten hat, kommt aus dem Trübsal Blasen trotz dem Zuschlag nicht heraus.

Die Bundesbürger erhalten nun seit Jahren eine “kalte Dusche” in Form der kalten Progression. Trotz Lohnerhöhungen bleibt dem Arbeitnehmer immer weniger Geld in der Tasche. Das Plus zum Monatseinkommen wird durch Zugriffe vom Fiskus und der anhaltenden Inflation mehr als nur kompensiert. Die offizielle Teuerungsrate befindet sich derzeit zwar auf einem sehr niedrigen Niveau, aber ausgerechnet die lebensnotwendigen und somit unverzichtbaren Konsumgüter des “virtuellen Warenkorbs” schlugen im vergangenen Jahr besonders hart zu. Die Preise für Lebensmittel stiegen in Bereichen von mehr als 5 Prozent an.

Gleichzeitig erfreut sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an den sprudelnden Steuereinnahmen für die Haushaltskasse. “Irgendwann muss Schluß damit sein” und der Zeitpunkt für ein Ende der kalten Progression scheint für den Bund der Steuerzahler nun endgültig erreicht worden zu sein.

Die Steuerzahler werden durch den “überproportionalen Zugriff des Fiskus massiv zur Kasse gebeten”, so der Bund der Steuerzahler. Der Bundesfinanzminister müsse nun die Initiative ergreifen, “damit der Einkommensteuertarif reformiert wird”.

Um rund 13 Prozent müssten die Lohnerhöhungen zwischen 2010 und 2017 steigen, um wenigstens einen Ausgleich zur Inflation zu schaffen. Sollten die Steuertarife nicht korrigiert werden, dann führte eine Lohnerhöhung, die lediglich die Geldentwertung ausgleicht, zu höheren Durchschnittssteuersätzen. Das Deutsche Steuerzahlerinstitut berechnete für die Jahre 2014 bis 2017 einen Betrag von 55,8 Milliarden Euro, der lediglich den “ungerechten Effekt” der kalten Progression darstellte.

Das Plus zum Einkommen wird nach Inflationsbereinigung zu einer glatten Null. Der Fiskus greift angesichts des gestiegenen Bruttoeinkommens unvermindert kräftig zu. Am Ende bedeutet die Lohnerhöhung nichts anderes als ein Griff in den Geldbeutel des Arbeitnehmers. Diesem bleibt unterm Strich weniger übrig.

Die kalte Progression hält in Deutschland bereits seit Jahren an. Gleichzeitig “mutierte” Deutschland von einem ehemaligen Hochlohn-Land in einen Niedriglohn-Sektor. Die hoch gehaltenen und bejubelten Zahlen zur Beschäftigtenquote können die Realität in Deutschland kaum mehr überdecken. Den Familien müssen ihren Alltag mit immer weniger Mitteln bestreiten.

Die Gesellschaft für Konsumforschung GfK wird scheinbar vor immer größeren Herausforderungen gestellt, ihren Haus internen Konsumklima-Index auf hohem Niveau halten zu können. Eine augenscheinlich widersprüchliche Darstellung der Konsumlaune des bundesdeutschen Bürgers.

Auf der einen Seite stehen den Familien dank der kalten Progression und der sinkenden Real-Einkommen immer weniger Mittel zur Verfügung, aber der GfK will eine ungebrochene und teils sogar steigende Konsumlaune erkennen. Mit der April-Umfrage befindet sich das Konsum-Niveau trotz “Ukraine-Krise” auf einem nach wie vor hohen Wert. Die niedrige Inflation stärke sogar die Kaufkraft des Einkommens, so GfK.

Die Kaufbereitschaft der Verbraucher sei jedoch rückläufig. Auch die Neigung zu neuen Anschaffung befand sich im April auf einem absteigenden Ast. Die GfK sieht in diesem Zusammenhang die durch die Ukraine-Krise gestiegene Verunsicherung der Verbraucher.

Auf der anderen Seite sei bei der Einkommenserwartung ein neuer Höchstwert seit 1991 gemessen worden.

Offenbar scheint der Konflikt um die Ukraine ein willkommener Anlass zu sein, um die realen Gründe des Konsumrückgangs mehr oder weniger holprig zu überdecken. Der seit Jahren anhaltende Schwund in den Geldbörsen der Verbraucher ist ein Fakt. Wenn die Familie davon absieht, das notwendige neue Fahrzeug anzuschaffen, welche Erklärung dafür läge wohl näher? Der Konflikt in der Ost-Ukraine, oder das fehlende Geld in der Haushaltskasse?


Tarifomat24.de

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