Lettland als Euro-Land – Risiken einfach ausblenden


Nach Estland wird wohl ab 2014 Lettland als nächstes baltisches Land in die Euro-Gemeinschaft aufgenommen werden. Das Land Nr. 18 erfüllt derzeit die Maastrichter Kriterien und alles Weitere scheint nicht zu interessieren, schon gar nicht der Wille der Letten. Die Bedenken der EZB erscheinen nur als Randbemerkungen.

Maastricht hervorheben, Risiken ausblenden und schon passt es

Eurokrise

Aufnahme eines potenziellen Pflegefalls?

Lettland erhielt von der Europäischen Zentralbank (EZB) die Bestätigung, dass es in den Kreis der Euroländer beitreten dürfe. Die “finanztechnischen Daten” wären soweit in Ordnung und deshalb könne das baltische EU-Land (seit 2004) die Gemeinschaftswährung Euro einführen.

Somit wird aller Wahrscheinlichkeit nach ab Beginn 2014 aus der ER17 eine ER18 werden. Dennoch bleibt der großflächige Jubel aus. Die kritischen Stimmen aus den Reihen der Wirtschaftswissenschaftlern und sogar der EZB sind nicht zu überhören. Ein breites Lächeln dürfte in Lettland lediglich der Regierung auskommen, die Bürger stehen jedoch zu einer guten zwei Drittel Mehrheit gegen das krisengebeutelte Einheitsgeld. Zur Frage des EU-Beitritts wurde noch ein Referendum durchgeführt. Mit der Einführung des Euros zieht man es sichtlich vor, den Willen des Volkes zu ignorieren.

Die “Einladung” an Lettland wurde kaum abgeschickt, äußerte der Absender, die EZB, schon die ersten Risiken, die im designierten Neuzugang lauerten. Ein hoher Anteil der gesamten Spareinlagen auf den Konten der lettischen Banken wäre in ausländischer Hand. Die Zentralbank geht von rund 40 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) aus. Für die Finanzstabilität stellte dieser Umstand ein hohes Risiko dar, so die EZB. Offenbar diente Lettland auch als Fluchtziel zahlreicher russischer Anleger, die ihr Geld noch rechtzeitig aus Zypern in Sicherheit schaffen konnten.

Darüber hinaus wäre Lettland gefährdet, nach der Euro-Einführung einer zu hohen Inflation ausgesetzt zu sein. Bereits in der Vergangenheit hätte die Teuerungsrate in der großen Spanne zwischen -1,2 und plus 15,3 Prozent gelegen.

Dennoch spielt das nach dem “Maastrichter Konzept” keine allzu große Rolle. Diese verlangt lediglich ein Defizit von max. 3% pro Jahr, eine Inflationsrate von höchstens 1,5% über der gegenwärtigen Inflationsrate der drei stabilsten Mitgliedsländer und eine maximale Schuldenrate von 60% des BIP. Letzteres können derzeit nur wenige der Euro-Länder einhalten und das Sparprogramm gegen eine zu hohe Neuverschuldung wurde jüngst aufgeweicht, wenn nicht aus der Welt geschafft. Was kümmern also Bankenrisiken, die nach den Maastrichter Kriterien nicht einmal erfasst sind?

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