– Meinung-

Das Ende eines Jahres rückt näher und schon wieder werden längst überholte Prognosen über das anstehende Wirtschaftswachstum runderneuert. Die Karten sind neu gemischt, in der Hoffnung dem „Full Flush“ möglichst nahe zu kommen.

Solange dafür bezahlt wird, solange kann man daran verdienen

Wahrsagerei
Berater und Weitblicker - Ein erträgliches Geschäft

Die schlechter werdende Stimmung rund um Wirtschaftsentwicklung und Konjunktur breitet sich immer weiter aus. Die vom Münchner ifo Institut befragten Unternehmenskreise haben im Dezember weiterhin an Zuversicht verloren und passend dazu senken andere Ökonomen kurzerhand die Prognosen für die Entwicklung im kommenden Jahr.

Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts ist im Dezember um ein weiteres Stück abgerutscht. Aktuell zeigt der Barometer nur noch 101,0 Punkte an, nach 102,0 Punkten im November. Bis auf das Bauhauptgewerbe sind die Chefs der Sparten Verarbeitendes Gewerbe, Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleistungen in ihrer Stimmung zum aktuellen Geschäft sowie zum Ausblick insgesamt etwas missgestimmt. Im Baugewerbe überwiegt noch die Euphorie zur derzeitigen Geschäftslage, aber die Erwartungshaltung fiel auch in dieser Branche im Dezember etwas gedämpfter aus.

Vor Jahreswechsel noch schnell den Rotstift ansetzen

Wenn so viele „Teufel an die Wand gemalt“ werden, dann ist es dafür Zeit, die längst überholten Vorhersagen neu zu justieren. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI in Essen fasste sich ans Herz und rückte die vormals aufgestellten Prognosen der Realität wieder ein Stück näher. Im September rechneten die Forscher mit einem Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent im kommenden Jahr 2019. Nun sind die Dinge „völlig überraschend“ nicht statischer Natur, sondern haben sich tatsächlich entwickelt. Es kam mal wieder anders als gedacht. RWI sezte den Rotstift an, zog einfach 0,3 Punkte ab und geht aktuell von 1,7 Prozent Wachstum aus.

Die vermeintlich große Überraschung für die RWI-Forscher sind die noch immer anhaltenden Probleme der Automobilindustrie. Die Dynamik dieser Branche habe sich im zweiten Halbjahr 2018 äußerst schwach entwickelt. Allerdings kalkuliert RWI mit einem Abschwächen der dämpfenden Faktoren und greift zur Begründung des dennoch vorangehenden Wachstums auf einen Dauerbrenner zurück: Die expansive Finanzpolitik. Diese sorge für Impulse. Die EZB hat’s immerhin angekündigt, bis mind. Spätsommer 2019 an ihrer gegenwärtigen Geld- bzw. Zinspolitik festzuhalten.

Damit der Übergang ins Jahr 2020 etwas interpolierter erscheint, senkten die RWI-Wirtschaftsexperten die erst vor rund drei Monaten aufgestellte Prognose von 1,9 Prozent Wachstum auf 1,6 Prozent ab. Mit dem Hinweis auf einen „Arbeitstageeffekt“ und dessen Einfluss um 0,4 Prozentpunkte wird die Kompetenz für den klaren Weitblick noch einmal unterstrichen.


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