Zypern lockert EU-Verordnung Kapitalverkehrskontrolle


Zyperns Privatpersonen und Unternehmen dürfen wieder mehr Geldvolumen bewegen.
Die Kapitalverkehrskontrolle wurde gelockert. Dennoch bleibt der Bargeldbezug stark sanktioniert.

“Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, Kapitalmarktvertrauen am besten”

Zypern

Zyperns noch unter EU-Knute

Das Vertrauen der Finanzmärkte in die Länder und Banken steht vor den Interessen der Bürger. Schlittert ein Euro-Land in die Zahlungsunfähigkeit, weil die zu rettenden Banken zu viel Milliarden an Steuergelder verschluckten, so müssen eben die Bewohner zur Kasse gebeten werden. Der “große Plan” der Bankenunion und des Abwicklungsmechanismus für Pleite gegangene Banken wurde bereits in der Praxis geübt und offenbar für gut geheissen. Zypern bot im Frühjahr 2013 als sehr kleines aber auch als “eminent systemwichtig” erklärtes Euro-Mitgliedsland die Plattform für eine Generalprobe.

Nachdem die Bankkonten aller Bürger, kleineren bis mittelständischen Unternehmen und Anlegern mit einer “Nacht- und Nebelaktion” gesperrt wurden, erließ Brüssel über Zypern eine Kapitalverkehrskontrolle. Geldtransfers wurden, wenn überhaupt zugelassen, sanktioniert und auf maximale Beträge beschränkt. Die Kapitalkontrolle gilt nach wie vor, beinahe ein Jahr nachdem den Sparern und Anlegern ein Teil ihres Vermögens abgenommen wurde.

Die Regierung Zyperns legte nun Hand an und lockerte die von Brüssel angelegten “Kapitalfesseln”. Während den nächsten 35 Tagen dürfen Privatkunden landesintern monatlich maximal 20.000 Euro überweisen. Für Unternehmen gilt im gleichen Zeitraum ein Überweisungslimit in Höhe von 100.000 Euro.

Wer sich in Zypern als Privatkunde einen Scheck aushändigen lässt, bleibt jedoch nach wie vor auf unbestimmte Zeit darauf sitzen. Ein Scheck wird von der Bank nicht eingelöst. Bei Bedarf einer größeren Bargeldsumme müssen Zyprioten ggfs. ein paar Tage einplanen. Täglich können lediglich max. 300 Euro von Bankautomaten abgehoben werden.

Die Kapitalverkehrskontrolle war ein Diktat aus Brüssel, nachdem Zypern eine Nothilfe von 10 Milliardenn Euro überwiesen wurde. Eine strikte Begrenzung des Geldverkehrs sollte die gefürchtete Flucht des Kapitals von der kleinen Mittelmeerinsel verhindern. Darüber hinaus galt es das Land so schnell wie möglich wieder zu stabilisieren. Banken wurden abgewickelt bzw. zusammengelegt. Die Finanzmärkte sollen das Vertrauen in das Euro-Land wieder zurück gewinnen. Zyperns ursprünglich größter Wirtschaftszweig war der Kapitalmarkt. Erst mit dem Zusammenbruch der Geldhäuser und der beinahe Insolvenz des Staatshaushaltes wurde in Brüssel erkannt, dass Zypern offensichtlich kein tragfähiges Geschäftsmodell besäße.

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