Neuerungen Kapital-Lebensversicherung: Streichkonzert an Leistungen


Kunden einer Kapital-Lebensversicherung dürfen sich auf eine ganze Reihe von Kürzungen und Streichungen einstellen, sollte die Gesetzesvorlage für die Neuerungen in Kraft treten. Diese Maßnahme sei zur “Absicherung stabiler und fairer Leistungen” für die Versicherungskunden notwendig. Den Vertretern der Versicherungsunternehmen gehen jedoch einige Punkte des Entwurfs zu sehr an die Substanz der Versicherer.

Der Gesetzesentwurf sieht eine Reihe von Kürzungen und Verzicht vor

Gewinnverzicht

Neuerungen Lebensversicherungen
Der verordnete Verzicht der Kunden

Das Bundesfinanzministerium (BFM) spricht bei der Gesetzesvorlage zu den Neuerungen an den Lebensversicherungen von Absicherung stabiler und fairer Leistungen für Lebensversicherte. Das geplante “Lebensversicherungsreformgesetz” suggeriert somit eindeutig das Motiv zum “Schutze der Versicherungsnehmer”.

Der Zweck heiligt die Mittel und die “größte Schutzmaßnahme” für den Versicherungskunden lautet Verzicht auf Renditen und Ausschüttungen. Das fängt bei den bereits sehr umstrittenen Bewertungsreserven (“stille Reserven”) an und geht über die Garantieversprechungen bis hin zu den Überschussbeteiligungen. Ein Entwurf, der auf die Schnelle entwickelt worden zu sein scheint, da eine Reifung aufgrund des eng gesetzten Gültigkeitstermins gar nicht möglich ist. Der Bundesrat soll den Gesetzesentwurf bereits im kommenden Juli absegnen.

“Versprochen ist versprochen”, das gilt auch für die hohen Garantiezinsen vergangener Jahre. Von einem Garantiezins mit 4 Prozent kann heute nur noch geträumt werden, aber genau diese noch laufenden Altbestände setzen die Lebensversicherer besonders arg zu. Die Finanzmärkte werfen kaum noch Zinsen ab, dennoch müssen die Alt-Policen bedient werden. Die beständige Absenkung der ohnehin nicht garantierten Überschussbeteiligungen scheint nicht auszureichen. Die Bundesregierung versucht offenbar, die bereits mit dem Rücken an der Wand stehende Versicherungsbranche aus der Klemme zu helfen.

Das Argument “Absicherung stabiler Leistungen” im Sinne der Versicherungsnehmer könnte auch lauten, “geht die Versicherung Pleite, gehst Du leer aus”. Die bittere Pille des Leistungsverzichts ist allemal mehr wert als die viele Jahre alte Versicherungspolice mit der “schützenden Hand” des Insolvenzverwalters darüber.

Das geplante “Streichkonzert” zu den Lebensversicherungen

Der Garantiezins in Höhe von derzeit 1,75% hing seit Anfang des Jahres ohnehin schon am seidenen Faden. Die Aktuarvereinigung schlug bereits eine Absenkung der Garantiezinsen auf 1,25% ab 2015 vor. Der Gesetzgeber will diesem Vorschlag offensichtlich Folge leisten.

Versicherungskunden sind derzeit mit 75% am Risikogewinn der Versicherungsunternehmen beteiligt. Künftig soll der Anteil bei 90% liegen. Damit bleiben den Versicherungsunternehmen nicht mehr wie bisher ein Viertel der Gewinne für die Bildung von Reserven, bzw. für die Ausschüttungen, sondern nur noch 10% übrig. Entsprechend gering wird in Zukunft auch der “Überhang” auf die Versicherungskunden abfallen.

Anteile an Bewertungsreserven sollen “flexibel gekürzt” werden können

Bei den Bewertungsreserven bemühte sich das Bundesfinanzministerium offenbar um die “Goldene Mitte”. Eine gänzliche Abschaffung der anteiligen “stillen Reserve” bei Fälligkeit der Altersvorsorge soll künftig nicht gelten. Dafür aber soll das Unternehmen die Möglichkeit erhalten, die Ausschüttungen zu kürzen, sollte die Garantiezusage an die Kunden gefährdet sein. Die derzeit sehr hohen Bewertungsreserven sind ein Effekt der Niedrigzinsphase und nur als Buchungsgewinne und temporär anzusehen, so u.a. der Versichertenverband GDV. Profitieren würde nur eine kleine Anzahl von Versicherungsnehmer, die in Kürze ihre Auszahlungen erhielten, generell jedoch zu Lasten aller weiteren Versicherungsnehmer.

Aktionäre einer Lebensversicherung blieben vom BFM nicht unbeachtet. Nach dem Entwurf müssen diese auf Ausschüttungen verzichten, sollte sich die finanzielle Lage des Unternehmens in einer zu ausgeprägten Schieflage befinden.

“Die Maßnahmen schießen weit über das Ziel hinaus”

Die Branchenvertreter sorgen sich offensichtlich kaum um die ehemals in Aussicht gestellten Renditen an die Kunden einer Altersvorsorge. Trotz der geplanten Kürzungsmaßnahmen bei den Versicherungsnehmern sind offenbar einige Punkte des Gesetzesentwurfes “zu hart” gegen die Unternehmen.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) kritisierte die Gesetzesvorlage des BFM als unerfüllbar bis Anfang 2015. Darüber hinaus schieße die grundsätzliche Ausschüttungssperre an die Aktionäre vollkommen über das Ziel hinaus. Derlei Eingriffe würden die Versicherungsunternehmen von den Finanzmärkten isolieren, so der GDV. Darüber hinaus werde durch die höhere Beteiligung der Versicherungsnehmer am Risikogewinn der finanzielle Spielraum der Versicherer für die Bildung von Reserven zu sehr eingeschränkt.


Tarifomat24.de

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