Niedrigzinsphase zwingt Lebensversicherer zum Umdenken


Die Niedrigzinsphase zwang die Lebensversicherer zum Umdenken und zu neuen Anlagestrategien. Doch trotz nach Ausweichen auf alternative Anlageklassen rechnen die Assekuranzen für die nächsten Jahre mit Minimal-Renditen.

Im Portfolio wachsen die Anteile von Unternehmensanleihen

Depots

Lebensversicherer ringen um jeden
Prozentpunkt an Renditen

Das stark veränderte Zinsumfeld setzt den Sparern direkt und über die Lebensversicherer auch indirekt zu. Niedrige Renditen für das zur Bank gebrachte Geld sowie die fortlaufenden Kürzungen bei der langfristigen Altersvorsorge hinterlassen heute wie auch in der Zukunft tiefe Furchen und vor allem Versorgungslücken.

Die Sparer sitzen in der Falle“, so ein Dachfondsmanager gegenüber WirtschaftsWoche. Die Lebensversicherer selbst stehen demnach vor dem großen Problem der eingestürzten Renditen am Anleihemarkt und zehrten bereits von den Reserven, die ursprünglich den Kunden zugedacht waren.

Der Fondsmanager sieht seine Position allerdings nicht als Mitstreiter der Lebensversicherungsbranche, sondern eher als konkurrierender Mitbewerber. Dennoch sind die enorm gestiegenen Herausforderungen für die Versicherungsbranche nicht von der Hand zu weisen. Die Bundesregierung reagierte im vergangenen Jahr mit einer hastig durchgezogenen LV-Reform, um den Sektor zu “stabilisieren”. Mit der neuen Regelung wurde auch das Dauerstreit-Thema Bewertungsreserven vorübergehend aus der Welt geschafft.

Angesichts der mageren Zinsen für Bundesanleihen braucht es neue Strategien, so der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Die Niedrigzinsphase zwinge die deutschen Assekuranzen zu deutlichen Änderungen in ihrer Anlagenpolitik. Im Mittelpunkt stehen längere Laufzeiten der Anlagen. “Vor wenigen Jahren hatten wir bei unseren Lebensversicherern eine durchschnittliche Duration der Anlagen von sechs Jahren, Ende 2014 haben wir im Durchschnitt neun Jahre erreicht”, so Torsten Utecht, Finanzvorstand bei der Generali Deutschland im Gespräch mit GDV.

Es fand bereits eine massive Umschichtung bei den Anleiheklassen in die Richtung Unternehmen statt. Ende 2007 hatten Unternehmensanleihen einen Anteil von 1,1 Prozent des gesamten Kapitalbestandes der gesamten Erstversicherer. Im dritten Quartal 2014 lag der Anteil bereits bei 3 Prozent. Zählte man die über Fonds gehaltenen Unternehmensanleihen mit, so kletterte der Anteil sogar auf 10 Prozent, so Wolfgang Weiler, Vorstandssprecher der HUK-COBURG.

Attraktive Investitionen in Infrastrukturen – Aber es hakt noch

Als einen weiteren neuen Schwerpunkt für höhere Renditen zeigen Lebensversicherer starkes Interesse an Infrastrukturprojekten. Die Branche setzt verstärkt auf langfristige Investitionen in den Bereichen Photovoltaik und Windenergie. Jedoch fehlte es nach wie vor an klaren Rahmenbedingungen. Die Bundesregierung wolle das Umfeld für Privatinvestoren noch verbessern.

Von einer vorübergehenden Niedrigzinsphase geht auch die Lebensversicherungsbranche nicht mehr aus. Eine Verbesserung der aktuellen Lage sei unwahrscheinlich. Die Zeiten, in denen mit steigenden Zinsen nach einer mittelfristigen Zeit kalkuliert wurde, seien vorbei. Nun plane z.B. Generali für den vollständigen Planungshorizont mit niedrigen Zinsen. Bis 2018 rechnet der Versicherer gerade mal mit einer Steigerung von 1,8 Prozent der Renditen zehnjähriger Bundesanleihen.

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